Unser Ural

In dieser Rubrik möchten wir unser Expeditionsmobil vorstellen und besonders den technisch Interessierten, einige interessante Informationen liefern.

Vorerst müsst ihr euch mit einer kurzen Beschreibung des Fahrzeuges und seiner wichtigsten technischen Daten begnügen. Später werden wir ausführlicher darüber berichten, wie aus einem Militärfahrzeug der Nationalen Volksarmee der DDR ein Expeditionsmobil wurde. Dabei werden wir die einzelnen Baugruppen des Fahrzeuges näher vorstellen und auch optische Impressionen von den Umbau- und Restaurierungsarbeiten beifügen.

Erste Schritte auf dem Weg zum Reisemobil wurden von einem der Vorbesitzer erledigt. Dazu gehörte der Innenausbau des Kofferaufbaus, die Umlackierung von „Olivgrün“ auf „Desert Tarn“, die Schaffung eines Durchgangs vom Koffer zum Fahrerhaus und der Anbau einer Heckplattform. Diese Arbeiten wurden professionell und in hoher Qualität ausgeführt.

Obwohl Wolfgang (eigentlich) ein fahrtüchtiges und reisefertiges Fahrzeug erworben hatte, gab es noch sehr viel zu tun. Doch dazu später.

Kurze Beschreibung

Das Expeditionsmobil basiert auf einem russischen URAL-4320 mit Kofferaufbau. Der dreiachsige URAL wird von einem Dieselmotor angetrieben. Mit der Antriebsformel 6×6 und dem permanenten Allradantrieb verfügt er über eine hervorragende Geländegängigkeit. Die Motorleistung wird über ein Verteilergetriebe mit asymmetrischem Differential an die drei Antriebsachsen geleitet. Bei Bedarf kann das Differential gesperrt und eine zusätzliche Untersetzungsstufe aktiviert werden. Ebenfalls aus dem Verteilergetriebe erfolgt über eine separate Kardanwelle der Antrieb einer 65m-Seilwinde am Heck des Fahrzeuges.

Der URAL ist ohne aufwendige Umrüstarbeiten in der Lage 1,5m tiefe Wasserdurchfahrten zu bewältigen. Dazu sind alle Getriebe, Antriebsachsen und Teile der Brems- und Kraftstoffanlage speziell abgedichtet und werden über ein zentrales System belüftet.

Der Luftdruck aller sechs Reifen kann während der Fahrt kontrolliert und den Erfordernissen des Geländeuntergrundes angepasst werden. Leider können wir von diesem Regelsystem nur eingeschränkt Gebrauch machen. Die aufgezogenen Conti-Militärreifen laufen auf festen Fahrbahnen zwar ruhiger und Kraftstoff sparender, reagieren aber wegen ihrer Stahl-Karkassen empfindlicher auf geringe Reifendrücke als die russischen Originale, die mit ihren Nylon-Karkassen flexibler sind.

Der zum Wohnbereich ausgebaute Kofferaufbau bietet zwei Personen sehr komfortable Lebensbedingungen. Mit gewissen Einschränkungen können auch vier Personen darin reisen. Dafür sorgen eine Sitzgruppe, ein Etagenbett, eine voll ausgestatte Küche und die Sanitärzelle. Einbauschränke und ein großer Kleiderschrank bieten ausreichend Stauraum. Zwei voneinander unabhängige Heizsysteme liefern Wärme und heißes Wasser. Der Wohnkoffer verfügt über eine eigene Stromversorgung. Als Energiequellen dienen zwei 12V Akkumulatoren, die vom Generator des Fahrzeugmotors, von Solarbatterien auf dem Fahrzeugdach, vom 220V-Außenbordanschluss sowie von einem Notstromaggregat (mit Benzinmotor) versorgt werden können.

Dank eines bequemen  Durchgangs wechselt man trockenen Fußes (und Hauptes) zwischen Wohnbereich und Fahrerkabine. Die großzügig bemessenen Frisch- und Abwassertanks garantieren über eine längere Zeit Autonomität. 

Auf dem Fahrerhaus und dem Dach des Koffers befinden sich Plattformen zur Unterbringung zusätzlicher Ausrüstung. Die Plattformen können über eine Leiter an der Rückseite des Fahrzeuges oder über die Dachluke des Fahrerhauses erreicht werden. Mittels einer Kederschiene lässt sich an der linken Kofferseite eine 4m lange Markise anbringen.

Werkzeug, technisches Hilfs- und Verbrauchsmaterial werden in wasserdichten Boxen unterhalb des Koffers angebracht.

In der Fahrerkabine geht es, dem konzipierten Verwendungszweck (Militär!) und dem Baujahr geschuldet, recht spartanisch zu. Obwohl mit hydraulischer Lenkunterstützung ausgestattet erfordert der Betrieb des Gefährtes eine sportliche Konstitution des Bedieners. Auch die Geräuschkulisse ist für von modernen PKW verwöhnten Menschen gewöhnungsbedürftig. Nach elektronischen Assistenzsystemen und anderem Schnickschnack sucht man (zum Glück!) vergeblich. Bei unserer zugerüsteten Navigationsausstattung geht es natürlich nicht ohne die elektronischen Helfer.

Technische Daten Fahrzeug

Typ:Ural-4320 (6×6)
Baujahr:1990
Leistung:154 kW(210 PS) bei 2600 U/min
Hubraum:10,85 l
Motor:Kamas 740.10 (V8)
Drehmoment:650,0 Nm bei 1800 U/min
Getriebe:5-Gang, Untersetzung,
Längstdifferenzialsperre
Höchstgeschwindigkeit:85 km/h
Mittlerer Kraftstoffverbrauch:28 l Diesel/100 km
Kraftstofftank:400 l
Steigfähigkeit bei voller Masse:30°
minimaler Wendekreis:21,6 m
Watfähigkeit:1,5 m
Gesamthöhe:333 cm
Gesamtlänge:869 cm
Gesamtbreite:255 cm
Zulässige Gesamtmasse:10 t
Bereifung: Continental MIL NATO, 14.00 R20
18 PR, Tube Type, 160 / 157 G
Reifendruck:0,5 – 3,2 bar
Batterie:24 V / 180 Ah
Lichtmaschine:1000 W / 47 A bei 2000 U/min
Seilwinde:65 m / d=17,5 mm / 7 Mp

Technische Daten Koffer

Aufbaubatterien:12 V / 360 Ah (2x 180 Ah)
Solaranlage:12 V / 15 A / 200 W
Netzladegerät:12 V / 25 A
Generator: Champion 2300 W, 96cm³, 4-Takt, Benzin, Inverter
Frischwassertank:400 l (230 l + 170 l)
Abwassertank:160 l
Heizung 1:Webasto Air Top Evo, 5 kW, Diesel
Heizung 2:Trumatic C 6002, 6,3 kW, Propangas
+ 10 Liter Warmwasserboiler 60°C
Gasanlage:2 x 11 l Propangas, 3 x Kochfeld
Kühlschrank:MDC-65, 54l (+10°C bis +2°C) + 10l (0°C bis -18°C )
Ausstattung:Bad/Toilette, Außendusche, Kleiderschrank,
Doppelstockbett 200×80, Küche, Sitzgruppe
Innenmaße:
(LxBxH)
451cm x 243 cm x 180 cm